News zur Sonnenquelle
Strom von oben und unten
Die Solarmodule der Sonnenquelle sind bifazial. Das klingt zwar erst einmal kompliziert, doch die Erklärung ist ganz einfach. Bifazial bedeutet, dass die Module nicht nur das direkte Sonnenlicht auf der Vorderseite nutzen, sondern auch über die Rückseite Strom erzeugen.
Warum bei der Sonnenquelle auch zählt, was unter den Modulen passiert
Die Sonne allein entscheidet beim Solarpark Sonnenquelle nicht über den Stromertrag. Diese Agri-PV-Anlage im Geiseltal kombiniert Stromproduktion mit Landwirtschaft und entsteht Schritt für Schritt – der erste Bauabschnitt erzeugt bereits Strom. Künftig sollen unter und zwischen den Modulen unter anderem Schafe und Rinder weiden, Hühner Bio-Eier legen und Bienen Honig liefern. Damit rückt ein Detail in den Fokus, das bei Solarparks oft übersehen wird: der Raum unter den Modulen, in dem Pflanzen wachsen, Tiere weiden und Licht reflektiert wird.
Genau hier setzt die gewählte Technik an. Bifaziale Module wie die der Sonnenquelle wandeln nicht nur das direkte Sonnenlicht von oben in Strom um, sondern zusätzlich das Licht, das vom Boden zurückgeworfen wird. Wie der Vergleich in der Grafik zeigt, bleibt diese Rückstrahlung beim klassischen Modul ungenutzt. Über dieses Zusammenspiel sprechen wir mit einem Experten von Münch Energie, dem Solarspezialisten und Projektentwickler der Sonnenquelle.
Warum ist bei einem Solarpark nicht nur die Fläche entscheidend, sondern auch das Modul?
Bei einem Projekt dieser Größenordnung entscheidet die Technologie wesentlich darüber, wie viel Strom langfristig erzeugt werden kann. Die Fläche ist wichtig, aber erst durch die richtige Modultechnik, das passende Anlagenlayout und eine gute Planung wird daraus ein leistungsfähiger Solarpark. Bei der Sonnenquelle geht es nicht darum, möglichst viele Module auf eine Fläche zu stellen. Unser Ziel ist eine Anlage, die hohe Erträge ermöglicht und zugleich zur landwirtschaftlichen Nutzung und zur ökologischen Aufwertung passt.
Was unterscheidet bifaziale von klassischen Solarmodulen?
Klassische, monofaziale Module erzeugen Strom nur über ihre Vorderseite, wo das direkte Sonnenlicht auf die Zellen trifft. Bifaziale Module nehmen zusätzlich Licht über die Rückseite auf – also Strahlung, die vom Boden und aus der Umgebung reflektiert wird. Vereinfacht gesagt: Ein klassisches Modul schaut nur nach oben. Ein bifaziales nutzt zusätzlich das Licht, das von unten zurückkommt. Genau das macht die Technologie für moderne Freiflächenanlagen interessant.

Was bringt das für den Ertrag?
Es entsteht ein zusätzlicher Ertrag, ohne dass mehr Fläche nötig ist. Wie hoch dieser Mehrertrag ausfällt, hängt vom Standort, vom Anlagenlayout, von der Höhe der Module, vom Reihenabstand und vom Untergrund ab. Ein heller oder gut begrünter Boden reflektiert deutlich anders als eine dunkle, verschattete Fläche. Entscheidend ist für uns: Bifaziale Module nutzen das Potenzial einer Fläche besser aus, weil sie nicht nur mit dem direkten Sonnenlicht arbeiten, sondern auch mit dem Licht, das in der Fläche selbst zurückgeworfen wird.
Warum passt das besonders zur Sonnenquelle Geiseltal?
Die Sonnenquelle ist mehr als ein klassischer Solarpark – sie verbindet Stromerzeugung mit einer aktiven Nutzung der Fläche. Unter und zwischen den Modulen soll weiterhin Leben stattfinden: Gras wächst, Tiere weiden, neue Lebensräume entstehen. Bifaziale Module passen gut zu diesem Gedanken, weil sie von einer offenen, aufgeständerten Bauweise mit genügend Reihenabstand profitieren. So gelangt mehr Licht auf den Boden – und von dort wieder zurück auf die Rückseite der Module.
Der Untergrund wird damit zum aktiven Faktor: Bewuchs, Pflege und Helligkeit beeinflussen, wie viel Licht zurückkommt. Versprechen lässt sich das nicht pauschal, aber es zeigt, warum die Planung einer modernen Freiflächenanlage heute genauer sein muss. Es geht nicht nur um Module und Kabel, sondern um das Zusammenspiel der gesamten Fläche.
Was bedeutet die Doppelnutzung für die Tiere unter den Modulen?
Die Modulreihen können Tieren Schutz bieten: Sie spenden Schatten, brechen den Wind und schaffen ein ruhigeres Mikroklima. Für Weidetiere wie Schafe oder Rinder ist das besonders in heißen Phasen ein Vorteil. Automatisch funktioniert das aber nicht, nur weil Module auf einer Fläche stehen. Zäune, Wege, Wasserstellen, Pflege und Sicherheit müssen mitgeplant werden. Ist das sauber gelöst, ist die Doppelnutzung sehr sinnvoll.
Sind monofaziale Module damit überholt?
Nein, so einfach ist es nicht. Monofaziale Module sind bewährt und je nach Projekt weiterhin eine gute Lösung – es kommt immer auf Standort, Ziel und wirtschaftliche Rahmenbedingungen an. Und die Wirtschaftlichkeit spielt natürlich mit: Jeder zusätzliche Ertrag verbessert die Flächeneffizienz und wirkt sich über die lange Laufzeit einer Anlage aus. Bei modernen Freiflächenanlagen mit offener Bauweise und Doppelnutzung bieten bifaziale Module hier besonders spannende Möglichkeiten.
Was sollen die Menschen aus dem Projekt mitnehmen?
Die Sonnenquelle Geiseltal zeigt, wie die Energiewende regional konkret wird:
In einer Region, die lange durch die Braunkohle geprägt war, entsteht sauberer Strom – und moderne Photovoltaik wird nicht gegen die Landwirtschaft gedacht, sondern mit ihr. Bifaziale Module sind dabei kein Selbstzweck, sondern ein technischer Baustein in einem größeren Konzept. Sie zeigen aber sehr anschaulich, worum es geht: Bei einem modernen Solarpark zählt nicht nur, was oben auf die Module fällt. Es zählt auch, was unter ihnen passiert.
Infofakten: Bifaziale Solarmodule
Hinter dem Wort „bifazial“ steckt der lateinische Begriff für „zweiseitig“. Genau dieses Prinzip machen sich diese Module zunutze: Weil sie eine lichtdurchlässige Rückseite besitzen, können ihre Zellen Licht von beiden Seiten in Strom umwandeln. Die Vorderseite fängt das direkte Sonnenlicht ein, die Rückseite verwertet zusätzlich die Streustrahlung, die vom Boden und aus der Umgebung reflektiert wird.
Wie viel zusätzlichen Strom die Technik liefert, entscheidet vor allem der Untergrund. Sehr helle Flächen wie Schnee oder weißer Kies spiegeln das Licht stark und werfen es direkt auf die Modulrückseite. Bei einer begrünten Agri-PV-Fläche wie der Sonnenquelle fällt der Zugewinn geringer aus – hier zählen vor allem die offene, aufgeständerte Bauweise mit großzügigen Reihenabständen und ein gepflegter, möglichst heller Bewuchs. Stimmt das Zusammenspiel aus Untergrund, Höhe und Ausrichtung, erzeugen bifaziale Module unter günstigen Bedingungen bis zu rund 30 Prozent mehr Energie als herkömmliche, einseitige Module.